ATLAS ANNO APOKALYPSI
Der Dimensions-Kataklysmus vereinigte die drei Parallelwelten Anno Vaporis, Anno Mysterii und Anno Superior zu einer einzigen Welt. Der Zeitpunkt dieses Ereignisses lässt sich keiner der früheren Zeitrechnungen eindeutig zuordnen. Deshalb beginnt mit Tag X eine neue Zeitrechnung: Anno Apokalypsi. Der Kataklysmus liegt inzwischen so weit zurück, dass nur noch wenige Wesen aus eigener Erinnerung von der Zeit davor berichten können. Für die meisten Bewohner besteht die alte Welt aus beschädigten Archiven, widersprüchlichen Überlieferungen, versunkenen Ruinen und politischen Legenden. Eine einheitliche Weltordnung existiert nicht. Reststaaten, Stadtstaaten, Küstenbünde, Militärregime, Mutantensiedlungen, Maschinenzonen und zahllose Fraktionen kämpfen um Land, Ressourcen und Einfluss. Namen, Flaggen und politische Vorstellungen aus der Zeit vor Tag X blieben teilweise erhalten oder entwickelten sich weiter. Zwischen den wenigen Gebieten relativer Ordnung liegen Ruinen, Strahlungszonen und gesetzlose Landschaften, in denen Reisende weitgehend auf sich allein gestellt sind.
GEOGRAFISCHE LAGE
Die Erde wurde während der Dimensionsverschmelzung nicht vollständig zerstört. Die Kontinente blieben in ihren groben Grundformen erhalten, doch gewaltige Wassermassen aus den drei Wirklichkeiten flossen zusammen. Der Meeresspiegel stieg dauerhaft um etwa 70 Meter. Küstenebenen, Flussniederungen und tiefliegende Landschaften wurden überflutet. Ganze Staaten verschwanden unter dem Wasser, während ehemalige Binnenregionen zu neuen Küstengebieten wurden. Die heutige Erde ist aus großer Entfernung gesehen noch immer wiederzuerkennen, doch ihre Küstenlinien, Verkehrswege und Siedlungsräume haben sich bei näherer Betrachtung stark verändert. Jede der drei früheren Wirklichkeiten besaß einen eigenen Mond. Über Anno Mysterii und Anno Superior stand jeweils ein weißer Mond, während Anno Vaporis von einem blauen Mond begleitet wurde. Während der Vereinigung kollidierten der weiße Mond von Anno Superior und der blaue Mond von Anno Vaporis. Gewaltige Bruchstücke stürzten auf die Erde oder blieben als Trümmerfeld am Himmel zurück. Der weiße Mond von Anno Mysterii überstand die Katastrophe und umkreist bis heute die Erde. Warum die Erde den Kataklysmus überhaupt überlebte, ist unbekannt. Einige Gelehrte vermuten einen stabilisierenden Effekt des Dimensions-Kataklysmus. Andere sehen darin das Wirken der Chronos, der Götter oder einer kosmischen Macht.
EUROPA (DAS KERNLAND)
Geografische Lage: Europa gehört zu den am stärksten veränderten Weltregionen. Die Niederlande, große Teile Dänemarks und weite Gebiete Norddeutschlands liegen unter Wasser. Die Nordsee dringt tief in das frühere Festland ein und bildet ein ausgedehntes System aus Buchten, Inseln, Lagunen und versunkenen Stadtlandschaften. Amsterdam, Rotterdam, Hamburg und Kopenhagen befinden sich unter der Wasseroberfläche. London und Venedig sind weitgehend versunken. Berlin wurde zu einem ausgedehnten Ruinenmeer, aus dem nur einzelne Höhen, Türme, Trümmerberge und Gebäudekomplexe herausragen. Dortmund liegt heute an einer neuen Küste und entwickelte sich zu einem wichtigen Hafen zwischen den überfluteten Industriegebieten und den erhaltenen Höhen des Ruhrraums. Auch Essen besitzt eine zerklüftete Industrieküste aus Buchten, Fabrikinseln und versunkenen Zechenanlagen. Die Alpen, die deutschen Mittelgebirge, das französische Zentralmassiv und andere Hochlandregionen gehören zu den vergleichsweise sicheren und dicht besiedelten Rückzugsgebieten Europas.
Politische Lage: Europa ist in zahlreiche Reststaaten, Regionalregierungen, Stadtbünde und kleinere Fürstentümer zerfallen. Die Namen einiger alter Staaten bestehen fort, doch ihre Grenzen und Regierungsformen haben sich stark verändert. Mehrere Regierungen behaupten, die rechtmäßige Fortsetzung Deutschlands, Frankreichs, Italiens oder eines anderen früheren Staates zu sein. Eine der einflussreichsten deutschen Nachfolgeregierungen ist das Bundesdirektorium Frankfurt. Es beruft sich auf die Verfassung und die staatliche Kontinuität der früheren Bundesrepublik Deutschland. Das Direktorium kontrolliert Frankfurt, Teile des Maintals und mehrere befestigte Städte in Hessen und Thüringen. Schwarz-Rot-Gold und der Bundesadler werden weiterhin als Hoheitszeichen verwendet. Außerhalb seines Kerngebietes ist der Anspruch des Direktoriums jedoch stark umstritten. An der neuen Ruhrküste entstand der Rheinische Küstenbund. Ihm gehören Dortmund, Essen und mehrere kleinere Hafen- und Industriesiedlungen an. Ein Rat aus Stadtvertretern, Reedereien, Werksbesitzern und bewaffneten Gilden bestimmt seine Politik. Der Küstenbund kontrolliert Bergungsrechte, Werften und Teile des Handels zwischen Nordsee, Rhein und den deutschen Mittelgebirgen. Offiziell bekämpft er Sklavenhandel und Piraterie, duldet jedoch Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit in seinen Werften und Bergungskolonnen. In den Alpen besteht die Alpenkonföderation, ein Bündnis befestigter Kantone, Bergrepubliken und autonomer Täler. Sie verfügt über sauberes Wasser, Wasserkraft, fruchtbare Hochlagen und gut gesicherte Gebirgspässe. Die Konföderation gilt als wohlhabend und vergleichsweise geordnet, ist jedoch für ihre strengen Einreisebestimmungen bekannt. Flüchtlinge werden häufig abgewiesen oder nur gegen langjährige Arbeitsverpflichtungen aufgenommen. In Frankreich beansprucht die Republik des Zentralmassivs die Nachfolge der früheren französischen Republik. Ihre Regierung residiert in Clermont und kontrolliert Teile des französischen Hochlands. An der Atlantikküste und entlang der überfluteten Flusstäler bestehen daneben unabhängige Hafenstaaten und Militärverwaltungen. Die britischen Inseln sind zwischen dem Kronbund Albion, walisischen Bergstaaten, irischen Republiken und zahlreichen Hafenherrschaften aufgeteilt. Der Kronbund wird von Edinburgh aus regiert und beruft sich auf die britische Krone sowie das alte Parlament. London besitzt weiterhin enorme symbolische Bedeutung, obwohl kein Herrscher das gesamte Ruinenarchipel kontrolliert. Der Europäische Kernlandbund (EKB) ist kein eigentlicher Staat, sondern ein lockerer Bund europäischer Städte und Regierungen. Sein Symbol ist der alte Kranz aus zwölf Sternen. Der Bund vermittelt Handelsabkommen, erkennt Reisepapiere seiner Mitglieder an und versucht, gemeinsame Verkehrswege zu sichern. Seine Beschlüsse sind jedoch nur dort wirksam, wo mächtige Mitgliedstaaten bereit sind, sie durchzusetzen.
NORDAMERIKA
Geografische Lage: Florida ist fast vollständig verschwunden. Nur wenige erhöhte Landflächen blieben als Inseln oder Halbinseln erhalten. Die amerikanische Golfküste und die Niederungen entlang des Mississippi wurden großflächig überflutet. New Orleans, Miami und zahlreiche weitere Küstenstädte liegen unter Wasser. New York besteht aus einem gefährlichen Ruinenarchipel aus Gebäudetürmen, Brückenresten und erhöhten Stadtteilen. Washington und Boston wurden ebenfalls schwer getroffen. Das Wasser drang weit in das Mississippital ein. Memphis liegt heute an einem gewaltigen Meeresarm und entwickelte sich zu einer befestigten Hafen- und Handelsstadt. An der Westküste wurde das kalifornische Central Valley überflutet. Sacramento und Stockton liegen unter Wasser, während San Francisco in mehrere steile Inseln zerfiel.
Politische Lage: Nordamerika wird von miteinander konkurrierenden Nachfolgeregierungen, Bundesstaaten, Stadtstaaten und Militärbündnissen beherrscht. Mehrere Regierungen führen als Vereinigte Staaten weiterhin Sterne und Streifen, erkennen einander jedoch nicht immer als rechtmäßige Nachfolger an. Das Amerikanische Kontinuitätsdirektorium residiert in Denver und beansprucht, die rechtmäßige Bundesregierung der Vereinigten Staaten zu sein. Es kontrolliert Teile der Rocky Mountains, befestigte Verkehrsachsen und mehrere militärische Anlagen. Das Direktorium hält an alten Amtsbezeichnungen und Verfassungsartikeln fest, regiert sein Gebiet jedoch seit Generationen unter einem nahezu ununterbrochenen Ausnahmezustand. An den Großen Seen entstand der Bund der Großen Seen. Er umfasst Städte, Agrargebiete und Industriezonen auf beiden Seiten der früheren Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada. Der Bund verfügt über eine bedeutende Flotte, erhaltene Produktionsanlagen und einige der sichersten Handelswege des Kontinents. Sein Bundesrat wird von wohlhabenden Stadtregierungen und Handelsgesellschaften beherrscht. Memphis ist Sitz des Mississippi-Konsulats. Das Konsulat kontrolliert Häfen, Flussfestungen und wichtige Übergänge am neuen Mississippi-Meer. Die Regierung besteht aus einem Konsul, einem Handelsrat und den Oberhäuptern mehrerer einflussreicher Familien. Das Konsulat bietet sicheren Handel und militärischen Schutz, erhebt dafür jedoch hohe Abgaben und duldet den Verkauf von Schuldnern und Kriegsgefangenen. Die Inseln und Ruinen von New York werden vom Archipelrat von New York beansprucht. Ihm gehören befestigte Stadtbezirke, Bergungsgilden, Fährgesellschaften und mehrere Söldnerverbände an. Die Mitglieder des Rates führen untereinander regelmäßig Krieg, treten gegenüber äußeren Gegnern jedoch meist gemeinsam auf. Im Westen besteht die Kalifornische Republik, deren Einfluss sich auf erhaltene Hochlagen, Teile der Pazifikküste und einige Städte am neuen Central-Valley-Meer erstreckt. Sie beruft sich auf frühere republikanische Traditionen, wird tatsächlich jedoch von einem Bündnis aus Militärs, Wasserbehörden und großen Landbesitzern geführt. Nördlich der Großen Seen und entlang des Sankt-Lorenz-Gebietes besteht der Laurentische Bund. Er vereint Teile früherer kanadischer Provinzen und mehrere selbstverwaltete Städte. Der Bund kontrolliert wichtige Wasserwege, erkennt das Amerikanische Kontinuitätsdirektorium jedoch nicht als übergeordnete Regierung an. Sklavenhandel und Zwangsarbeit sind besonders in den gesetzlosen Grenzgebieten verbreitet. Wohlhabende Staaten verurteilen diese Praktiken offiziell, dulden jedoch häufig Händler, Minengesellschaften und Plantagenbesitzer, von deren Waren sie abhängig sind.
SÜDAMERIKA
Geografische Lage: Das Amazonasbecken wurde zu einem riesigen System aus überfluteten Wäldern, Mangrovenmeeren, Sumpflandschaften und bewaldeten Inseln. Das Wasser reicht weit in das Innere des Kontinents. Manaus liegt heute am sogenannten Amazonasmeer. Die tieferen Stadtteile versanken, während höher gelegene Bezirke zu einer bedeutenden Hafen- und Inselstadt wurden. Im Süden wurden Buenos Aires, Montevideo und große Teile des Río-de-la-Plata-Gebietes überflutet. Die Anden und das brasilianische Hochland blieben dagegen weitgehend erhalten und nahmen zahlreiche Flüchtlinge aus den verlorenen Tiefländern auf.
Politische Lage: Die politischen Machtzentren Südamerikas verlagerten sich in die Anden und auf das brasilianische Hochland. Dort bestehen alte Republiken, militärische Nachfolgestaaten, Hochlandbünde und neue Regionalregierungen. Namen wie Brasilien, Peru, Chile, Bolivien oder Kolumbien sind weiterhin gebräuchlich, bezeichnen jedoch nicht überall dieselben Gebiete wie vor Tag X. Die Brasilianische Hochlandföderation wird von Brasília aus regiert und beansprucht die politische Nachfolge Brasiliens. Sie kontrolliert große Teile des Hochlands, mehrere Agrarregionen und einige befestigte Wege zum Amazonasmeer. Die Föderation besitzt eine gewählte Versammlung, doch Militär, Großgrundbesitzer und Energiegilden üben erheblichen Einfluss auf ihre Regierung aus. Die höher gelegenen Bezirke von Manaus werden vom Konsortium Manaus Alta beherrscht. Das Konsortium besteht aus Hafenfamilien, Bergungsgesellschaften, Flottenführern und bewaffneten Handelsgilden. Es kontrolliert einen großen Teil des Verkehrs auf dem Amazonasmeer und verkauft sichere Passage, Karten und Bergungsrechte. Außerhalb seiner befestigten Bezirke endet seine tatsächliche Macht jedoch rasch. In den Anden besteht der Andenpakt, ein Bündnis aus Hochlandrepubliken, Bergstädten und militärisch gesicherten Tälern. Quito, La Paz und Cusco gehören zu seinen wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Zentren. Der Pakt kontrolliert Pässe, Minen und große Teile des Handels zwischen der Pazifikküste, dem Amazonasmeer und den südlichen Hochländern. Im Süden beansprucht der Flottenbund des Silbermeers die Nachfolge Argentiniens und Uruguays. Seine schwimmenden Städte, befestigten Inselhäfen und Kriegsschiffe beherrschen Teile des überfluteten Río-de-la-Plata-Gebietes. Innerhalb des Bundes konkurrieren argentinische und uruguayische Nachfolgeregierungen weiterhin um Ämter, Flaggen und historische Ansprüche. Zwischen den großen Machtblöcken leben zahlreiche Flussnomaden, Inselgemeinschaften und unabhängige Mutantensiedlungen. Einige zahlen Schutzgeld an die größeren Staaten, andere verteidigen ihre Gewässer gegen jede Form äußerer Herrschaft.
AFRIKA
Geografische Lage: Afrika verlor im Verhältnis weniger Land als viele andere Kontinente, da große Gebiete auf Hochplateaus liegen. Dennoch wurden zahlreiche Küstenregionen schwer getroffen. Das Nildelta und große Teile Kairos liegen unter Wasser. Das Mittelmeer reicht als langer Meeresarm in das frühere Niltal hinein. Gizeh und die höher gelegenen Wüstenränder befinden sich heute nahe der Küste. Lagos, das Nigerdelta, Mombasa, Dar es Salaam und Maputo wurden weitgehend überflutet. Das ostafrikanische Hochland, das südliche Afrika und viele zentrale Regionen blieben dagegen bewohnbar und entwickelten sich zu wichtigen Siedlungs- und Landwirtschaftszentren.
Politische Lage: Viele politische Zentren Afrikas liegen heute im Hochland und im Inneren des Kontinents. Dort entstanden größere Staaten, Agrarbünde und Handelskonföderationen, die teilweise auf früheren Nationen und teilweise auf neuen regionalen Zusammenschlüssen beruhen. Die Ostafrikanische Hochlandunion verbindet mehrere Staaten und Stadtregionen zwischen Addis Abeba, dem Großen Afrikanischen Grabenbruch und den Hochländern um die großen Seen. Die Union kontrolliert fruchtbare Gebiete, Wasserquellen und wichtige Nord-Süd-Routen. Ihre Mitgliedstaaten besitzen weitgehende Selbstständigkeit, unterhalten jedoch gemeinsame Grenztruppen und Handelsgerichte. Entlang des neuen Meeresarms im Niltal entstand die Liga des Nilgolfs. Ihr gehören Gizeh, mehrere Wüstenhäfen und befestigte Städte des oberen Niltals an. Die Liga kontrolliert Schifffahrt, Bewässerungsanlagen und die Bergungsrechte in den Ruinen von Kairo und Alexandria. Religiöse Würdenträger, Militärbefehlshaber und Händler teilen sich die Macht. Im Inneren des Kontinents besteht die Kongoföderation, ein lockerer Zusammenschluss aus Flussstädten, Agrargebieten und regionalen Republiken. Sie verfügt über große Rohstoffvorkommen, leidet jedoch unter langen Verkehrswegen, inneren Machtkämpfen und dem Einfluss bewaffneter Bergbaugesellschaften. An der westafrikanischen Küste konkurrieren zahlreiche Hafenstaaten. Der bedeutendste Zusammenschluss ist der Goldküstenbund, der mehrere Häfen und Agrarregionen miteinander verbindet. Der Bund sichert Handelskonvois und bekämpft offene Piraterie, unterhält jedoch selbst Strafkolonien und verkauft Gefangene an Minen und Plantagen. Im südlichen Afrika herrscht das Südliche Minendirektorium über ein Netz aus Bergwerken, Fabrikstädten und befestigten Versorgungskorridoren. Das Direktorium besitzt große Rohstoffvorkommen und erhaltene Industrieanlagen. Seine Regierung ist autoritär und stützt sich auf private Truppen, Vertragsarbeiter und Zwangsarbeit.
ASIEN
Geografische Lage: Bangladesch verschwand beinahe vollständig. Auch große Teile der Gangesebene, der nordchinesischen Ebene und der chinesischen Küstenregionen liegen unter Wasser. Shanghai, Tianjin, Dhaka, Bangkok, Ho-Chi-Minh-Stadt, Jakarta und zahlreiche weitere Metropolen wurden überflutet. Von einigen Städten blieben nur höher gelegene Bezirke als Inseln oder neue Küstensiedlungen erhalten. Das Westsibirische Tiefland verwandelte sich in ein gewaltiges kaltes Binnenmeer. Ehemalige Binnenstädte liegen heute an seinen Küsten, während große Gebiete entlang von Ob und Irtysch verschwanden. In Japan, Korea und Südostasien entstanden stark zerklüftete Insel- und Küstenlandschaften. Viele Gebirgsregionen blieben erhalten, während die dicht besiedelten Küstenebenen untergingen.
Politische Lage: Asien besitzt die größte politische Vielfalt aller Weltregionen. Alte Zivilisationsnamen und staatliche Traditionen sind vielerorts erhalten geblieben, doch kaum ein früherer Staat kontrolliert noch sein gesamtes ursprüngliches Gebiet. Die Chinesische Zentralregierung von Xi’an beansprucht die politische und historische Nachfolge Chinas. Sie kontrolliert Teile des zentralen Hochlands, wichtige Verkehrsachsen und mehrere große Städte. Ihre Regierung verbindet alte staatliche Institutionen mit einem strengen System militärischer und technischer Direktorien. Der Sichuan-Bund erkennt den Führungsanspruch Xi’ans nur eingeschränkt an. Das Bündnis aus Städten, Agrarbezirken und befestigten Tälern verfügt über bedeutende Nahrungsmittelproduktion und vergleichsweise gut erhaltene Industrie. Zwischen dem Sichuan-Bund und der Zentralregierung wechseln Handelsabkommen, Grenzkrisen und offene Kämpfe einander ab. Auf dem indischen Subkontinent bildet die Union Bharat den größten Staatenbund. Ihr politisches Zentrum liegt auf dem Dekkan. Die Union beruft sich auf frühere indische Verfassungen und Symbole, besteht jedoch aus weitgehend autonomen Regionalstaaten, Religionsgemeinschaften und Militärbezirken. Die Nachkommen der überfluteten Gebiete Bangladeschs werden vom Bengalischen Exilkonzil vertreten. Das Konzil besitzt kein geschlossenes eigenes Staatsgebiet, unterhält jedoch Stadtviertel, Flüchtlingssiedlungen und Handelsstationen in mehreren Teilen Südasiens. Es fordert Land, politische Vertretung und Bergungsrechte in der verlorenen Heimat. Der Ural und Teile des südlichen Sibiriens werden von der Uralischen Föderation beherrscht. Sie betrachtet sich als rechtmäßige Nachfolgerin der früheren Russischen Föderation, kontrolliert tatsächlich jedoch vor allem Industriegebiete, Bergwerke und befestigte Städte rund um den Ural. An den Ufern des Westsibirischen Meeres entstand der Sibirische Küstenbund. Seine Hafenstädte leben von Fischfang, Rohstoffen, Schifffahrt und Bergungsexpeditionen. Der Bund ist zugleich eines der wichtigsten Zentren für Schmuggel, Waffenhandel und den Verkauf von Gefangenen. Japan wird von der Japanischen Zentralverwaltung von Kyoto regiert. Alte Institutionen, Symbole und regionale Verwaltungen besitzen dort mehr Kontinuität als in vielen anderen Weltregionen. Die tatsächliche Kontrolle der Zentralverwaltung endet jedoch häufig an abgelegenen Inseln, verseuchten Ruinengebieten und den Herrschaftsbereichen mächtiger Hafenfamilien. Südostasien wird von der Liga der Tausend Häfen, mehreren Inselreichen, unabhängigen Stadtstaaten und Piratenflotten geprägt. Die Liga sichert einige der wichtigsten Seewege zwischen dem Indischen Ozean, Ostasien und Ozeanien. Ihre Mitglieder sind jedoch eher durch wirtschaftliche Interessen als durch gemeinsame politische Ziele verbunden.
OZEANIEN
Geografische Lage: Australien behielt seine grundlegende Form, verlor jedoch große Teile seiner Küstenebenen. Sydney, Melbourne, Brisbane, Adelaide und Perth wurden schwer überflutet und bestehen teilweise als Insel- oder Hügelstädte weiter. Durch chronotektonische Einbrüche entstanden neue Wasserwege und Binnengewässer. Einige dieser Veränderungen lassen sich nicht allein durch den erhöhten Meeresspiegel erklären und gelten als direkte Narben der Dimensionsverschmelzung. Auch Neuseeland und die pazifischen Inselwelten wurden stark verändert. Küstenebenen verschwanden, während Gebirge und Vulkanplateaus zu wichtigen Rückzugsgebieten wurden.
Politische Lage: Australien ist in mehrere Inlandstaaten, Küstenrepubliken und befestigte Stadtregionen zerfallen. Alte australische Symbole und staatliche Strukturen bestehen mancherorts fort, doch viele Gebiete erkennen nur ihre jeweilige Regionalregierung an. Das Australische Notstandscommonwealth wird von Canberra aus regiert und beansprucht die staatliche Kontinuität Australiens. Es kontrolliert einige Hochlandregionen, militärisch gesicherte Verkehrswege und Teile des südöstlichen Binnenlands. Der seit Generationen geltende Ausnahmezustand verleiht Militär und Versorgungsbehörden weitreichende Befugnisse. Die erhaltenen Bezirke von Sydney, Melbourne und Brisbane bilden gemeinsam die Ostküstenkonföderation. Ihre Mitgliedsstädte kontrollieren Häfen, Bergungszonen und Teile des Küstenhandels. Die Konföderation erkennt das Notstandscommonwealth nominell an, handelt jedoch weitgehend selbstständig. Das trockene Innere wird von Siedlungsbünden, Rohstoffgesellschaften, Nomadengruppen und militärisch geschützten Versorgungskorridoren geprägt. Zu den mächtigsten Wirtschaftsorganisationen gehört die Gesellschaft der Sieben Brunnen, die mehrere Tiefwasserreservoirs und Transportleitungen kontrolliert. Ganze Städte sind von ihren Lieferungen abhängig. In Neuseeland besteht der Aotearoa-Hochlandbund. Er vereint landwirtschaftliche Regionen, Bergstädte und befestigte Inselhäfen. Der Bund gilt als vergleichsweise stabil, schützt seine Grenzen jedoch streng und nimmt Fremde meist nur gegen Arbeitsverpflichtungen auf. Die pazifischen Inselgemeinschaften bildeten den Pazifischen Seebund, dem schwimmende Siedlungen, Wanderflotten und verschiedene Inselstaaten angehören. Der Bund kontrolliert wichtige Routen zwischen Australien, Asien und Amerika, besitzt jedoch keine dauerhaft anerkannte Zentralregierung.
ÜBERGREIFENDE POLITISCHE VERHÄLTNISSE
Trotz regionaler Unterschiede folgen politische Macht und staatliche Stabilität in Anno Apokalypsi ähnlichen Regeln. Entscheidend ist nicht, welche Grenzen auf einer Karte verzeichnet sind, sondern wer Nahrung erzeugt, Wasser kontrolliert, Straßen und Häfen schützt und bewaffnete Kräfte unterhalten kann. Namen, Flaggen und politische Vorstellungen aus der Zeit vor Tag X blieben teilweise erhalten oder entwickelten sich weiter. Alte Verfassungen, Flaggen und Staatssiegel besitzen weiterhin mal mehr und mal weniger Bedeutung. Mancherorts begründen sie staatliche Kontinuität und politische Legitimität, andernorts dienen sie nur noch als historische Symbole, regionale Traditionen oder Werkzeuge der Propaganda. Viele Regierungen verbinden alte Namen und Symbole mit neuen Herrschaftsformen. Eine Republik kann von einem Militär geführt werden, ein Königreich ein gewähltes Parlament besitzen und eine seit Jahrhunderten bestehende Diktatur sich noch immer als vorübergehende Notstandsverwaltung bezeichnen. Zwischenstaatliche Beziehungen beruhen vor allem auf Handel, Schutzabkommen, Geiseln, Heiraten, Schulden und militärischer Abschreckung. Internationale Organisationen besitzen kaum dauerhafte Macht. Verträge gelten meist nur so lange, wie beide Seiten von ihnen profitieren oder ihre Einhaltung erzwingen können.
ÜBERREGIONALE ORGANISATIONEN
Das Meridian-Kartell ist ein weitverzweigtes Bündnis aus Händlern, Reedereien, Karawanenführern und bewaffneten Konvois. Es unterhält Handelsstationen auf mehreren Kontinenten und gibt eigene Schuldscheine aus. Das Kartell verkauft Sicherheit und Versorgung, verlangt dafür jedoch hohe Gebühren und scheut nicht vor Erpressung, Bestechung oder der Unterstützung örtlicher Kriegsherren zurück.
Der Archivbund Concordia sammelt historische Dokumente, Karten, technische Aufzeichnungen und Berichte aus der Zeit vor Tag X. Seine Archive gehören zu den bedeutendsten Wissensspeichern der Welt. Der Bund betrachtet Wissen jedoch nicht als frei verfügbares Gut. Zugang zu seinen Beständen wird gegen Geld, Relikte, politische Zugeständnisse oder jahrelange Dienste gewährt.
Der Kettenbund ist kein geschlossener Staat, sondern ein loses Netzwerk aus Sklavenhändlern, Gefängnisbetreibern, Plantagenbesitzern und bewaffneten Menschenjägern. Seine Mitglieder verwenden häufig das Zeichen dreier ineinandergreifender Eisenringe. Viele Regierungen verurteilen den Kettenbund öffentlich, handeln jedoch heimlich mit ihm oder beziehen Gefangene und Zwangsarbeiter über seine Märkte.
Das Triton-Konsortium ist auf die Bergung versunkener Städte und Industrieanlagen spezialisiert. Seine Taucher, Unterwasserfahrzeuge und Schwimmkräne arbeiten unter anderem in den Ruinen von London, New York, Hamburg, Shanghai und Jakarta. Das Konsortium beschäftigt freie Fachkräfte ebenso wie Schuldarbeiter und Strafgefangene.
Maschinenzonen sind Gebiete, die ganz oder teilweise von autonomen technischen Systemen kontrolliert werden. Im Verlauf von Anno Apokalypsi verselbstständigten sich einige dieser Systeme und entwickelten eigene Ziele, Regeln und Herrschaftsbereiche. Die einzelnen Maschinenzonen sind nicht zwangsläufig miteinander verbunden und unterscheiden sich stark in ihrer Organisation und ihrem Umgang mit organischem Leben. Manche Maschinenzonen bieten Sicherheit, medizinische Versorgung und funktionierende Infrastruktur. Andere betrachten Menschen und Mutanten nur noch als Störfaktoren, Versuchsobjekte oder zu verwaltende Ressourcen.
HERRSCHAFT AUßERHALB DER STAATEN
Die Grenzen vieler Staaten bestehen vor allem auf alten Karten und in den Köpfen ihrer Bewohner. Tatsächlich kontrollieren selbst größere Regierungen häufig nur einzelne Städte, landwirtschaftliche Gebiete, Häfen und bewachte Verkehrswege. Zwischen ihnen liegen Niemandsländer, Ruinenzonen, Strahlungsgebiete und Regionen, in denen keine Autorität dauerhaft durchsetzungsfähig ist. Banditen, Sklavenhändler und Menschenjäger sind in vielen Gebieten alltäglich. Wer allein reist und sich nicht verteidigen kann, muss damit rechnen, beraubt, misshandelt, verschleppt oder verkauft zu werden. Hilfe wird selten ohne Gegenleistung angeboten. Schutz, Unterkunft, Medizin und Informationen kosten Geld, Arbeit, Loyalität oder einen späteren Gefallen. Ein Staat gilt bereits als mächtig, wenn er mehrere Städte dauerhaft versorgen, Handelswege schützen, Abgaben eintreiben und seine Befehle auch außerhalb der eigenen Hauptstadt durchsetzen kann. Politische Ordnung ist in Anno Apokalypsi kein selbstverständlicher Zustand. Sie ist ein begrenztes Gut, das verteidigt, erkauft und ständig neu ausgehandelt werden muss.
ÖDLANDE
Ödlande gibt es auf allen Kontinenten. Es handelt sich um besonders schwer zerstörte, verseuchte oder dauerhaft unkontrollierbare Gebiete, in denen kaum noch verlässliche staatliche Ordnung besteht. Manche entstanden unmittelbar während des Dimensions-Kataklysmus, andere erst durch spätere Kriege, Seuchen, Reaktorunfälle, Brände, Maschinenaufstände oder die Ausbreitung gefährlicher Strahlungszonen. Nicht jedes Ödland ist eine trockene Wüste. Auch überflutete Ruinenfelder, radioaktive Sümpfe, abgestorbene Wälder, vereiste Landschaften, Mondkrater, zerstörte Industriegebiete und von Aetherphänomenen veränderte Regionen werden so bezeichnet. Gemeinsam ist ihnen, dass dauerhaftes Leben dort nur unter großen Risiken möglich ist. Die Grenzen eines Ödlandes sind selten eindeutig festgelegt. Auf Karten werden häufig nur bekannte Gefahrenzonen, Ruinenstädte und einzelne sichere Routen markiert. Wetter, Strahlung, wandernde Mutanten, Maschinen oder bewaffnete Gruppen können dafür sorgen, dass sich die tatsächliche Gefahrenlage ständig verändert. Selbst wenn ein Staat ein Ödland offiziell beansprucht, kontrolliert er meist nur befestigte Außenposten, Bergungsstationen oder einzelne Verkehrswege. Dies ergänzt die weitgehend unkontrollierten Räume zwischen den Staaten, die bereits große Teile der Welt prägen.
Ödlande werden gewöhnlich nach ihrer Lage, einer nahe gelegenen Stadt, einer früheren Provinz, einem auffälligen Ereignis oder der dort herrschenden Gruppe benannt. Gebräuchlich sind Bezeichnungen wie Sächsisches Ödland, Böhmisches Ödland, Nevada-Ödland, Texas-Ödland, Sahara-Ödland, Arabisches Ödland oder Outback-Ödland. Regionen unter der Kontrolle bestimmter Fraktionen können auch Namen der vorherrschenden Gruppierungen tragen. Viele Ödlande sind keineswegs unbewohnt. In ihnen leben Banditen, Sklavenjäger, Mutantenstämme, Verbannte, Plünderer und Gemeinschaften, die sich bewusst jeder staatlichen Herrschaft entziehen. Manche errichten befestigte Siedlungen in alten Bunkern, Fabriken, Bergwerken oder Hochhäusern. Andere ziehen mit ihren Vorräten von Ruine zu Ruine und verlassen ein Gebiet, sobald Nahrung, Wasser oder Beute erschöpft sind.
Trotz ihrer Gefahren besitzen Ödlande großen wirtschaftlichen Wert. In den Ruinen liegen Maschinen, Waffen, Medikamente, Brennstoffe, historische Archive und andere Relikte aus der Zeit vor Tag X. Mondfragmente, seltene Rohstoffe und besondere Strahlungsquellen ziehen Bergungstrupps, Konzerne, Forscher und Abenteurer an. Staaten und Fraktionen vergeben häufig Bergungsrechte für Gebiete, die sie selbst weder erschließen noch sichern können. Reisende müssen in Ödlanden mit zerstörten Straßen, einsturzgefährdeten Gebäuden, verseuchtem Wasser, Minenfeldern, wilden Mutanten, Strahlung und bewaffneten Überfällen rechnen. Karten sind oft unvollständig oder veraltet. Sichere Wege werden deshalb streng gehütet und nur gegen Bezahlung, Waren oder einen späteren Gefallen weitergegeben. Wer ein Ödland betritt, verlässt gewöhnlich den Schutz jeder anerkannten Ordnung. Gesetze gelten dort nur, solange jemand stark genug ist, sie durchzusetzen. Dennoch sind es gerade diese Gebiete, in denen sich die größten Schätze, die gefährlichsten Geheimnisse und die bedeutendsten Hinterlassenschaften der alten Welt befinden.